Kleine Klimaschützer ganz groß
Bumm Bumm Tascha. Bumm Bumm Tscha. Mila und Leon schlagen sich im Takt mit beiden Händen auf die Oberschenkel. Zwei Mal – dann kräftig in die Hände klatschen. Ein kurzer Blick zum Nachbar, dann macht sich reihum ein breites Grinsen auf dem grünen Linoleum-Boden breit und die Kinder trällern los: „Alle kleinen Leute, helfen hier und da“. Einhundert kleine Hälse stimmen mit ein und singen in der Kita Kunterbunt zur 80er-Hymne „We will rock you“ einen selbstgedichteten Klimasong.
Der ist Teil eines ganz besonderen Moments in der Einrichtung. Leiterin Bianka Drexler hat dazu alle Kinder zusammengetrommelt. Auch der Bürgermeister ist aus dem Rathaus gekommen. Denn: Als erste Kindertagesstätte im Rhein-Neckar-Kreis hat die kommunale Einrichtung an einem speziellen Förderprogramm teilgenommen. Das gibt es bundesweit und war ursprünglich vor allem für Schulen konzipiert. „Eigentlich gibt’s das nur bei den Großen“, erklärt Hanna Henkel. Die Mitarbeiterin der KLiBA aus Heidelberg begleitet die Einrichtungen beim Förderprogramm. Als Belohnung für das Engagement hat sie der Kita-Leiterin und Laudenbachs Klimaschutzmanagerin Cornelia Baumgärtner eine Prämie mitgebracht. „Rund 20 Schulen aus dem Kreis machen beim Projekt mit“, berichtet Henkel, „da hat der Rhein-Neckar-Kreis eine Blockanmeldung für alle gemacht“. Nur Laudenbach habe sich noch einmal extra um eine Teilnahme seiner Grundschule und der Kindertagesstätte bemüht. „Sowohl die Sonnberg-Schule als auch die Kita Kunterbunt sind dabei. Das hat sonst niemand hinbekommen“, so die Fachfrau.
Dass Klimaschutz schon bei den Kleinsten Sinn macht, darüber waren sich die Beteiligten bei der Übergabe einig. „Es ist wirklich toll, wie Umweltschutz hier in den Alltag der Kinder integriert wird“, findet Bürgermeister Benjamin Köpfle. Zunächst bedeutete das für das etwa 40-köpfige Kita-Team schon vor vielen Monaten Schulungen und Seminare. Jeder Einzelne ermittelte seinen ökologischen Fußabdruck und nahm seine Verhaltensweisen unter die Lupe. Auch Verbräuche in der Kita wie die Nutzung von Kühlschränken, Spülmaschinen oder Lichtern sind gemessen worden. Anschließend ging es dann ans Eingemachte: Über das ganze Jahr verteilt hat die Kita den Umweltschutz in ihr Konzept integriert. Beim Spielefest etwa gab es ein Klima-Buffet. Die Marmelade haben die Kinder davor selbst eingekocht mit Erdbeeren aus dem Nachbarsort. Auch pflanzliche Alternativen zu Fleisch haben die Jungen und Mädchen nicht nur getestet, sondern mit einer Flockenquetsche auch selbst hergestellt. „Wir haben sogar Butter selbst geschüttelt“, erinnert sich Bianka Drexler an die mitunter schweißtreibenden Tätigkeiten. Bei all dem gehe es nicht darum, den Kindern etwas vorzuschreiben. „Vielmehr geht es um die Sensibilisierung. Also darum, frühzeitig ein Verständnis zu schaffen, wie Lebensmittel hergestellt werden und woher sie kommen oder wie viel Energie man dafür benötigt“, so Drexler.
Nach dem Essen ging es für die Kinder an Spielstationen weiter. An einem Mini-Klärwerk konnten sie etwa einfachste Formen der Energiegewinnung kennen lernen. Weil das Thema „ganzheitlich“ betrachtet werden soll, bleibt auch die Frage nicht aus, was mit dem Müll passiert. „Upcycling“, wie man das Verwenden von bereits benutzten Dingen heute nennt, sei in Kitas ohnehin schon immer Thema. Aus Altpapier etwa basteln Kinder neue Dinge. Darüber hinaus hat die Kita ganz unabhängig vom Förderprogramm bereits Hochbeete und immer wieder Aktionstage. „Wir wollen einfach bei allen ein Bewusstsein für Umweltschutz und Ressourcenverbrauch schaffen“, erklärt Bianka Drexler. All das findet sich auch im Klimasong der Kinder wieder. „Licht nur, wenn wir’s brauchen“, singen die Kinder. Und: „Weniger aus Plastik, sammeln Müll ganz fein. Unsre liebe Erde, soll ganz sauber sein“.
